Start > Geist > Demenz

Demenz

Ab wann wird Vergesslichkeit zur Krankheit?

Häufig wird eine Störung oder ein Problem bereits als Krankheit angesehen. Dazu gehört z. B. auch die Vergesslichkeit. Doch allein vergesslich zu sein, bedeutet nicht gleich, krank zu sein oder dement zu werden. Vergesslichkeit gehört zu den häufigsten Beschwerden. Selbst im höheren Lebensalter muss eine Vergesslichkeit nicht gleich eine Demenz bedeuten.

Stress, vielfältige Belastungen, das Alter, aber auch körperliche Erkrankungen und Medikamente können die geistige Leitungsfähigkeit beeinträchtigen, ohne dass sich dahinter eine Demenz verbirgt. In der Regel sind es Schwierigkeiten, sich z. B. Namen zu merken, oder mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Manchmal werden Gegenstände verlegt, man findet sie nicht wieder oder hat Schwierigkeiten, sich an Telefonnummern zu erinnern. Erst wenn die Beschwerden anhaltend sind und sich weitere Symptome zur Vergesslichkeit dazugesellen, kann es sich um eine dementielle Entwicklung handeln.

Am häufigsten tritt die Alzheimer-Erkrankung auf. Sie fängt keineswegs immer mit Gedächtnisstörungen an, manchmal sind es Sprach- oder Wortfindungsstörungen. Es kann auch sein, dass die Betroffenen zunehmend den Überblick verlieren und  in ihrer Handlungsplanung beeinträchtigt sind. Die Alzheimer-Erkrankung läuft chronisch schleichend voran, im Gegensatz zur vaskulären Demenz, die durch Hirndurchblutungsstörungen begründet ist. Hier beobachten wir eher einen kaskadenartigen Verlauf mit plötzlichem Auftreten neuer Symptome, aber auch mit zeitweisen Besserungen. Die cerebralen Durchblutungsstörungen sind häufig durch Risikofaktoren verursacht, wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörung und Übergewicht. Dementsprechend finden sich meist weitere körperliche Symptome und Beeinträchtigungen, die auf Durchblutungsstörungen hinweisend sind.

Therapie

Eine spezifische Therapie, die die Ursachen der Alzheimer-Erkrankung behandelt, gibt es noch nicht. Einige Medikamente (Antidementiva) wirken sich positiv auf den Verlauf der Erkrankung aus. Bei frühzeitigen Einsatz können sie dazu beitragen, dass das vorhandene Funktionsniveau möglichst lange erhalten bleibt. Im Laufe der dementiellen Erkrankung treten weitere Beeinträchtigungen auf. Die Behandlung dieser Störungen erfolgt symptomatisch. Wenn Patienten Unruhezustände oder einen gestörten Tag-/Nachtrhythmus entwickeln, wenn sie aggressiv werden oder delirant, dann sind spezifische medikamentöse Behandlungen erforderlich, wenn sonstige Maßnahmen der Tagesgestaltung oder im Umgang mit den Menschen nicht mehr ausreichend greifen.

Darüber hinaus gibt es weitere Therapieempfehlungen, z. B. die Ergotherapie, bei der Patienten lernen, Defizite zu kompensieren oder durch Hirnleistungstrainings möglichst lange geistig rege und aktiv zu bleiben. Eine Psychotherapie kann zu Beginn der Erkrankung hilfreich sein, wenn die Patienten unter der Diagnosestellung leiden und lernen wollen, mit ihrer Erkrankung besser umzugehen. 

Ein wesentlicher Aspekt ist das soziale Umfeld und die Familie. Der Partner, die Familie, sind ganz besonders gefordert. Je mehr Fähigkeiten der Demenzerkrankte verliert, desto mehr muss die Familie, der Partner, kompensieren, weitere Aufgaben übernehmen und sich der voran schreitenden Erkrankung immer wieder neu anpassen. Die Begleitung der Angehörigen, ihre Unterstützung wie Entlastung wird im Laufe der Erkrankung immer wichtiger. Viele Angehörigen sind selber schon älter und nicht mehr gesund. Viele haben den Anspruch, alles alleine zu schaffen und drohen sich daher, auf Dauer zu überfordern. Hier ist es ganz besonders wichtig, Angehörige darauf hinzuweisen, dass sie schon früh anfangen, sich Hilfe zu holen und den Erkrankten z.B. auch an eine weitere Bezugsperson zu gewöhnen.

Die beste Vorbeugung ist eine möglichst gesunde Lebensführung, die Beachtung kardiovaskulärer Risikofaktoren, viel Bewegung bis ins hohe Alter hinein durch regelmäßige Spaziergänge, Gartenarbeit oder Training im Turnverein oder im Fitness-Studio. Sich geistig fit und aufgeschlossen zu zeigen, auch wenn das Pensionsalter fast erreicht oder man bereits darüber hinaus ist, kann zu einem längeren Erhalt der geistigen Leitungsfähigkeit beitragen.