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Die Praxis ist geschlossen vom 22.12.2017.- 01.01.2018

Vertretung: Herr Dr. med. J. Welnic
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Bipolare Erkrankungen

Was sind bipolare Erkrankungen?

Bipolare Erkrankungen sind schwere, chronisch verlaufende, psychische Erkrankungen, die sich durch manische und depressive Stimmungsschwankungen auszeichnen. In einer Manie stellt sich bei den Betroffenen ein übersteigertes Hochgefühl dar. Sie sind überaktiv, euphorisch oder gereizt. Sie lassen sich nichts mehr sagen. Sie können Verhaltensweisen zeigen, die ihnen später sehr peinlich sind oder auch zu weiteren Schwierigkeiten führen können. Im Rahmen einer Manie kann es zu schweren Fehlhandlungen kommen, es werden Verträge unterschrieben, die nicht bedient werden können, unsinnige Käufe getätigt, Schulden gemacht, die Nacht wird zum Tag. Der Patient fühlt sich so gut und leistungsstark wie nie zuvor, für die Umgebung ein manchmal unerträglicher Zustand, für die Betroffenen ein wunderbares Gefühl, das sie nicht als krankhaft erkennen, weshalb sie sich auch nicht gerne in diesem Zustand behandeln lassen.

Nach Abklingen einer manischen Phase kann es zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Depression mit gedrückter Stimmung, Antriebslosigkeit und Traurigkeit kommen. Unter „bipolar“ verstehen wir einen Wechsel zwischen Hoch-u.Tiefphasen unterschiedlicher Ausprägung und Dauer. Die Stimmungsschwankungen treten phasenweise und unabhängig von der aktuellen Lebenssituation auf.

Therapie

Es ist nicht möglich, die Ursachen zu beseitigen aber es ist möglich, den Verlauf positiv zu beeinflussen. Mit einer medikamentösen Behandlung ist es möglich, die Krankheitsphasen zu verkürzen, die Schwere der Erkrankung zu mildern und die gesunden Intervalle zu verlängern. In manchen Fällen gelingt es sogar, das Auftreten von Krankheitsphasen völlig zu verhindern.

Medikamentöse Therapie

Bei bipolaren Erkrankungen sind die Symptome und deren Ausprägung sehr unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, die Medikamente immer individuell zusammenzustellen. Es werden hauptsächlich drei Gruppen von Medikamenten eingesetzt, die Stimmungsstabilisierer, Antidepressiva und atypische Antipsychotika. Antidepressiva entfalten ihre volle Wirkung jedoch erst nach einigen Wochen. Deshalb ist es wichtig, für die Patienten Geduld zu haben, was gerade depressiven Patienten oft sehr schwer fällt.

Stimmungsstabilisierer

Die Stimmungsstabilisierer werden in der Regel in allen drei Behandlungsphasen (Akut-Therapie, Erhaltungs-Therapie, Rückfall-Prophylaxe) eingesetzt. Sie können zur Verstärkung einer nicht erfolgreichen  Akutbehandlung eingesetzt werden, dienen aber letztendlich zum Erhalt der guten Befindlichkeit und zur Rückfallprophylaxe. Um gesund zu bleiben und keinen krankhaften Stimmungsschwankungen mehr ausgesetzt zu sein, sollten Patienten die Stimmungsstabilisierer (z.B. Lithium, Lamotrigin, Valproat , heute nur noch selten Carbamazepin) dauerhaft einnehmen. Diese regelmäßige Einnahme ist wichtig, um erneuten Krankheitsepisoden vorzubeugen.

Für die Behandlung von Depressionen gibt es eine Reihe verschiedener Antidepressiva. Sie können alleine, manchmal auch in Kombination zur Anwendung kommen, müssen jedoch immer individuell dosiert werden. Häufig ist es so, dass die Patienten eine Verbesserung noch gar nicht bemerken, wobei die Umgebung schon eine Stimmungsaufhellung beobachtet. Manchmal müssen verschiedene Präparate zur Anwendung kommen. Dabei dauert es wenigstens 2-3 Wochen, bis eine erste Wirkung auf die Stimmungsaufhellung beobachtet werden kann. Diese Umstände können für die Patienten, wie für ihre Angehörigen oft eine erhebliche Geduldsprobe bedeuten.

Psychotherapie

Psychotherapeutische Verfahren werden bei der Behandlung von bipolaren Erkrankungen mit Erfolg eingesetzt. Sie sind bei Bipolaren Störungen im Regelfall als Ergänzung und nicht als Alternative zur medikamentösen Therapie anzusehen. Mit Hilfe der Psychotherapie lernt der Betroffene, mit seiner Erkrankung umzugehen, den Alltag und belastende Ereignisse besser zu bewältigen, seine zwischenmenschlichen Beziehungen zu verbessern und Rückfällen vorzubeugen. Er wird selbstsicherer und damit auch zuverlässiger, was zum Beispiel die Medikamenteneinnahme angeht. Besonders wirksam bei der bipolaren Erkrankung sind die kognitive Verhaltenstherapie, Familientherapien und die soziale Rhythmustherapie. Psychoedukation und der Einbezug von Angehörigen sollten zu jeder Behandlung dazugehören.